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Serben-Quadrille ertönt 1846 zum ersten Mal

Die Idee für die Veranstaltung des „Heiliger Sava Balls“ in Wien entstand im Zuge der Unterstützung serbischer Wirtschaftstreibender bei der Publikation des Werkes „Neue Johann Strauss Gesamtausgabe“ der Johann Strauss Gesellschaft Wien. Unter den Werken befand sich unter anderem die Strauss’ „Serben-Quadrille“. Im Zuge der Recherchearbeiten zur Entstehungsgeschichte dieses Werkes kam zutage, dass der ab 1842 in Wien lebende serbische Fürst Miloš Obrenović ein begeisterter Besucher der Wiener Tanzbälle war und eine für einen eigenen Slawenball angemessene Komposition bei Johann Strauss (Sohn) in Auftrag gab. Das Ergebnis war die „Serben-Quadrille“, die im Jahr 1846 am ersten Wiener Slawenball uraufgeführt wurde. Der Wiener Slawenball sollte im Wiener Exil lebende, namhafte Serben versammeln. So waren unter anderem der Philologe und Sprachreformer Vuk Stefanović Karadžić und der Dichter Branko Radičević Besucher des zweiten Balls, der insgesamt über 3.000 Besucher anlockte. Zu den Ballgästen zählten unter anderem ausländische Diplomaten, serbische Minister und Offiziere und viele angesehene österreichische Bürger.

Wiederbelebung der Balltradition

Nach einer 100-jährigen Unterbrechung wurde im Jänner 1998 erneut ein serbischer Ball in Wien veranstaltet, diesmal unter dem Namen „Heiliger Sava Ball“. Der Name wurde in Anlehnung an den ersten serbischen Erzbischof und Gründer des serbischen Athos-Klosters Hilandar Rastko Nemanjić („Heiliger Sava“) benannt.

Verbindung zweier Kulturen

Der „Heilige Sava Ball“ dient heute der Verbindung zweier Kulturen, getanzt werden sowohl Wiener Walzer als auch traditionelle serbische Tänze. Opern-Arien und Chansons sind ebenso wie die „Serben-Quadrille“ von Johann Strauss (Sohn) weiterhin grundlegende Programmbestandteile. Seit über zwei Jahrzehnten schafft es der „Heilige Sava Ball“ zahlreiche Mitglieder der serbischen Diaspora in Wien zu versammeln. Das Spektrum der Besucher reicht von Vertretern aus den Bereichen Kultur, Bildung, Diplomatie und Kirche bis hin zu Studenten unterschiedlichster Herkunft.

Serben-Quadrille am Azur der Wiener Donau

Der Purpurzauber der Nacht leuchtete auf dem Schnee, der silberne Mondschein war eisig und glatt, und die Sterne schimmerten ungewöhnlich aufgeregt. Die Bäume, schwarz und nass, durch das Licht aufgeweckt, bewegten sich zur Seite und winkten mit perlentröpfelnden Fingern. “Was ist los”, rauschten die Zweigen schlaftrunken und weich, flüsternd. Wässerig, sangesfreudig, zaghaft und kobaltblau bemalt in der Nacht, Wien war bereit, den Beginn noch eines Balls zu begrüßen. Aber diesmal eines slawischen. Weil es Abkürzungen zur Freude gibt, und Tanzen eine davon ist. Es ist das neunzehnte Jahrhundert, in dieser Stadt leben etwa fünfzigtausend Slawen, verbunden sind sie durch eine Herkunftsverwandtschaft und ein ähnliches Schicksal. Seit 1843 sind die Kutscher daran gewohnt, mit den Herrschaften, die andere, dem Russichen ähnelnde Sprachen sprechen, sanft und lächelnd, ab und zu viel zu tun zu haben. Man sollte die Damen hinüberfahren – durch den nach Veilchen riechenden Schnee. Gekleidet in Toiletten von Traum, Spitze und Stücken von Saphiren und Seide und Saffian, begaben sie sich ungeduldig nach Predigten, Konzerte und Theatervorstellungen, die in diesen Jahren auf der berauschender Milch der Muttersprache abzuhalten begannen. Aber einstimmig waren allen von all diesen Versamm- lungen am liebsten Bälle. Alle mochten Bälle und Tanzen, diese verborgene Sprache der Seele. Auf den Bällen tanzte man, verliebte sich man, stoßte an, dazu kamen in dunklen, teueren Anzügen die wichtigen Gäste aus der Politik, Diplomatie, Kultur, sowie auch die anonymen Schönheiten, deren Eintrittskarte ihre prachtvolle, blendende, milchige Schönheit war…

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